Wissenschaftsjournalismus

Schlaf und Emotionsverarbeitung im Kindesalter – eine kurze Literaturübersicht

Text: Fabienne Sunier, Salome Kurth, Übersetzung: Yaëlle Dietter

Die frühe Kindheit ist eine Zeit, in der sich viele faszinierende Veränderungen im Schlaf vollziehen. So ist zum Beispiel mehr und mehr bekannt, dass der Schlaf eine Rolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt. Chronisch schlechter Schlaf bei Kindern kann mit Symptomen emotionaler Dysregulation, emotionalen Problemen oder in extremen Fällen mit psychiatrischen Störungen einhergehen. Doch viele grundlegende Fragen sind noch offen, denn nur eine Handvoll Studien hat das Konzept von Schlaf und Emotionen im Kindesalter untersucht.

Wir geben daher hier einen kurzen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu Schlaf und Emotionsregulation bei Kindern und Jugendlichen (0-18 Jahre). Wir haben die Datenbank PubMed nach den Suchbegriffen “sleep”, “emotion processing”, “children”, “babies” und “childhood” unter Verwendung der Booleschen Operatoren „AND“ und „OR“ durchsucht. Sieben Studien wurden unter Verwendung dieser Suchbegriffe extrahiert.

Diese Berichte zeigen, dass Schlafmangel die Ausprägung der Reaktionen auf positive Emotionen bei Kleinkindern (30-36 Monaten) verringert1 und dass ausreichender Schlaf für das sozial-emotionale Funktionieren in der frühen Kindheit (40-48 Monaten) wichtig ist2. Insbesondere Tagesschläfchen sind für positive Emotionen bei Kleinkindern (2-36 Monaten) von Bedeutung3. Der Wert des Nickerchens wird auch von Miller et al.4bestätigt, die zeigen, dass Schlafentzug bei Kleinkindern (30-36 Monaten) negative Auswirkungen auf die Selbstregulations-Strategien hat. Eine Neuroimaging-Studie (fMRI) berichtet, dass sich Konflikte zwischen Eltern auf die Hirnreaktionen von Säuglingen im Schlaf auswirken: Die Hirnregionen, die für die Emotions- und Stressregulierung relevant sind, reagieren am stärksten auf Konflikte (6-12 Monate)5. Auch im Schulalter (8-12 Jahre) kann Schlafentzug positive affektive Reaktionen und die Emotionsregulierung beeinträchtigen6. Dies wird auch durch eine Untersuchung mit Jugendlichen (15-19 Jahre) bestätigt, bei der Schlafentzug die positive Stimmung verringerte7.

Daher ist unser Wissen über Schlaf und Emotionsverarbeitung bei Kindern und Jugendlichen heute noch begrenzt. Die Grundlage dieser Wissenschaft sind Experimente mit akutem Schlafentzug und Ergebnismessungen zur Selbstregulierung oder zu positiven Emotionen. Insgesamt unterstützt diese Wissenschaft das Konzept, dass die Dauer und der Zeitpunkt des Schlafs (Schlafzeiten am Tag und in der Nacht) mit der Emotionsverarbeitung zusammenhängen. Nur wenige dieser Studien haben Aktigraphie (Bewegungssensoren) zur Messung des Schlafs eingesetzt, was in den nächsten Schritten noch intensiviert werden muss.



Quellen

  1. Berger, R. H., Miller, A. L., Seifer, R., Cares, S. R. & LeBourgeois, M. K. Acute sleep restriction effects on emotion responses in 30- to 36-month-old children. J Sleep Res 21, 235-246, doi:10.1111/j.1365-2869.2011.00962.x (2012).
  2. Schumacher, A. M. et al. Sleep Moderates the Association Between Response Inhibition and Self-Regulation in Early Childhood. J Clin Child Adolesc Psychol 46, 222-235, doi:10.1080/15374416.2016.1204921 (2017).
  3. Bacaro, V. et al. The Association between Diurnal Sleep Patterns and Emotions in Infants and Toddlers Attending Nursery. Brain Sci 10, doi:10.3390/brainsci10110891 (2020).
  4. Miller, A. L., Seifer, R., Crossin, R. & Lebourgeois, M. K. Toddler’s self-regulation strategies in a challenge context are nap-dependent. J Sleep Res 24, 279-287, doi:10.1111/jsr.12260 (2015).
  5. Graham, A. M., Fisher, P. A. & Pfeifer, J. H. What sleeping babies hear: a functional MRI study of interparental conflict and infants‘ emotion processing. Psychol Sci 24, 782-789, doi:10.1177/0956797612458803 (2013).
  6. Vriend, J. L. et al. Manipulating sleep duration alters emotional functioning and cognitive performance in children. J Pediatr Psychol 38, 1058-1069, doi:10.1093/jpepsy/jst033 (2013).
  7. Lo, J. C., Ong, J. L., Leong, R. L., Gooley, J. J. & Chee, M. W. Cognitive Performance, Sleepiness, and Mood in Partially Sleep Deprived Adolescents: The Need for Sleep Study. Sleep 39, 687-698, doi:10.5665/sleep.5552 (2016).

Photo

Caleb Woods, Unsplash

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